Fünf unbequeme Wahrheiten über Burnout

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Hier sind

Fünf unbequeme Wahrheiten über Burnout…. und was Sie dagegen tun können.

Burnout ist in aller Munde. Es gibt ein paar richtige und ein paar falsche Sichtweisen dazu. Und es gibt unsere.

  1. „Wer ausbrennt, muss auch mal gebrannt haben.“

Das ist falsch. Wer ausbrennt, hat Leidenschaft und Begeisterung schon vor sehr langer Zeit auf dem Altar von Selbstbeherrschung, Kontrolle und Leistungsfähigkeit geopfert, und damit den Kontakt zu seiner Seele, seiner Intuition, seinem wahren Selbst verloren. Er – oder sie- hat sich im Dschungel der „ Um zu“s verlaufen und sich tatsächlich verbrannt- für falsche Werte. Anerkennung, Status, Harte Arbeit, Karriere, Konkurrenz und Wettbewerb und mindestesn eine Rolle, die Erfolg verschaffen sollte.

Und es gibt gute Gründe, die eigene Begeisterungsfähigkeit zu unterdrücken. Zum Beispiel, um nicht benutzt zu werden. Allerdings ist das ein Regen in die Traufe-Deal. Denn Burnout ist ein Zeichen von lang andauerndem aktiven und exzessivem Selbst-Missbrauch.

2.„Burnout ist einfach nur ein Modewort für die klassische Midlife-Crisis

Falsch. Burnout ergreift immer mehr und, das vor allem, immer jüngere Menschen.

Burn out Studenten

Inzwischen sogar Kinder. Seit 1998 wächst die Rate der sogenannten psychosozialen Störungen, zu denen Burnout zählt, gerade bei Kindern massiv an.

http://www.sueddeutsche.de/karriere/jugendlicher-schwermut-burnout-bei-kindern-1.582780

http://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/article1596786/Burn-out-schon-bei-Kindern.html

  1. Burnout ist ein individuelles Problem.

Falsch. Burn-Out ist ein kulturelles Phänomen. Seine Ursachen sind Bedingungen, die wir für Zugehörigkeit gelernt haben. Eigentlich haben wir etwas ver-lernt, nämlich unsere Natur.

In einer Weltwirtschaft, die wenige Gewinner und viele Verlierer beabsichtigt, werden wir früh von – ebenso erzogenen – Menschen dazu erzogen, Anerkennung, Leistung, Elite, Konkurrenz, Besser-Höher-Schneller-Weiter für normal und wichtiger zu halten als Balance, Kreativität, Verspieltheit und Sensibilität, um nur einige wenige zu nennen.

Wir ver-lernen unsere natürlichen Neigungen wie Kooperation und Mitgefühl und lernen Ersatzwerte und -gefühle: Anerkennung statt Erfüllung, Rivalität statt Zusammenarbeit, Dissoziation statt Mitgefühl, Triumphe und Durchsetzung von Positionen, statt Bedürfnisse zu kommunizieren und miteinander zu verhandeln. Hier liegt meines Erachten das grösste Dilemma unsere Zeit. Wir lernen für Zugehörigkeit Verhaltensweisen, die ein Gegeneinander bedingen. Um das durchhalten zu können, brauchen wir einen gewissen Aggressionslevel, sprich Adrenalin. Es entsteht eine Wechselwirkung Stress-Reaktion-Stress. Dauerstress. Zu unserem gesellschaftlichen Verständnis gehört auch: Wer Stress hat, ist wichtig. Im Einsatz. Wird gebraucht. Wer nicht immer leicht überarbeitet ist, ist ein Faulpelz. Gibt nicht sein Bestes. Im Englischen wird das noch deutlicher in der Nähe der Worte: Busy-ness und Business.

Burn out Gesellschaft
pic: gerd altmann, pixelio

4. „Burnout ist die Krankheit der Sieger.“

Falsch. Es ist eigentlich die Krankheit der Verlierer.

Zum Einen trifft es nicht nur Alphas, Direktoren und Celebrities. Sondern: Mütter, Altenpfleger, Lehrer|innen, Krankenschwestern, Coaches, Einzelunternehmer|innen, Menschen mit mehreren Standbeinen, Studenten und Kinder, wie wir vorhin gesehen haben, sowie ehrenamtlich Tätige.

Statistik Burnout Deutschland
Quelle: AOK

Zum Anderen: Das Verbrennen für falsche Werte wird angetrieben von Gefühlen, für die wir keine Umgangsweise gelernt haben. Wenn wir gelernt hätten, unangenehme Gefühle mit Bewusstheit wahrzunehmen, sie ohne Angst anzunehmen und uns hindurchzufühlen, oder ihnen fühlend standzuhalten, statt sie kompensieren und wegzuhandeln, und wir daraus eine neue Kultur bilden könnten, wäre Burn-out als Phänomen in unserer Gesellschaft binnen kurzer Zeit verschwunden!

Wir sprechen hier insbesondere von Gefühlen wie: Wertlosigkeit, Schuld, Versagen, Unwürdigkeit, nicht verdient haben und nicht gut genug sein.

Und so wie Alkohol ein gesellschaftlich sanktionierter Weg ist, sich ab und an in eine Art Trance zu begeben- so ist Harte Arbeit eine anerkannte und belohnte Form, mit obigen Gefühlen umzugehen. Übrigens ein Indiz dafür, dass wir maskuline Attribute immer noch übertreiben: Handeln statt fühlen.

Die fernöstliche Medizin legt nahe, dass Gesundheit unter Anderem in der Ausgewogenheit zwischen Yin und Yang liegt. Yang ist schnell, hitzig, hell, männlich, baut sich schnell auf und entlädt sich ebenso schnell wieder. Kurze hohe Amplituden. Yin ist langsam, weiblich, baut langsam auf und wieder ab. Burn-out bedeutet in diesem Zusammenhang, dass zuviel Yang das Yin, das der eigentliche Energiegeber ist, verbraucht hat. Und Yin baut sich, einmal entleert, nur sehr langsam wieder auf.

Wer sich von seinen Gefühlen trennt, oder versucht, ihnen zu entkommen durch Handeln und Ablenkung, ist auf dem besten Wege, sich selbst zu verlieren. Denn was bringt Glück, Liebe, Spass, und Lebensfreude, wenn ein Mensch all das nicht mehr fühlen kann?

Damit ist eben auch der Navigator zu gesunder Selbstführung verschwunden und die Tür zu Fremdbestimmung und Selbstmissbrauch geöffnet.

 

  1. Wer Burnout hat, ist einfach nicht mehr Leistungs- und Wettbewerbs- fähig.

Absolut Richtig. Und das ist auch gut so. Burn-out ist ein Weckruf Richtung Gesundheit und lebensnotwendige Veränderung. Burn-out ist eine Erinnerung, dass es so etwas gibt wie ein Geburtsrecht auf ein glückliches, entfaltetes Leben. In dem die Umstände, auch die unangenehmen, Zutaten für Wachstum sind.

Eine ganz wesentliche Zutat für ein glückliches Leben ist ein sinnvoll verbrachtes, Nutzen stiftendes Leben. Eines, das andere Menschen miteinbindet, in dem es echte Nähe und emotionale Aufrichtigkeit gibt.

Die Lösung liegt in Veränderung. Veränderung in ein Leben, das nicht länger von Konkurrenz und ( Selbst-)Kontrolle geprägt ist. Wer einmal das Stadium des Burn-out erreicht hat, hat so etwas wie einen Ritterschlag erhalten. „Erfolgreiche Zugehörigkeit zu dieser Zivilisation im allerhöchsten Grade“.

Und es ist eine Einladung, auf die nächste Eben zu gehen. Der einzige Grund, dort zu bleiben, ist die Angst vor Verlust. Und Veränderung ist immer Verlust. Mindestens des Status quo.

Allerdings gibt es viele sehr gute Gründe aus dem Stadium Burn-Out in die nächste Ebene zu springen.Die nächste Ebene hat zwei Hauptmerkmale: Werte und Vision. Im Gegensatz zu: Müssen und Reaktion.

Es ist eine gute Ebene. Sie sind inspiriert, unbestechlich und unaufhaltsam. Sie sind Teil der Welt, aber nicht mehr Teil des Problems. Sondern täglich Teil der Lösung.Sie können empfangen und fühlen. Ihr Leben ist ausgewogen. Emotionale Nähe ist eine Bereicherung, keine Bedrohung.Sie tun das richtige aus dem richtigen Grund und was Sie sind, tun und haben, ist aus einem Guss.

Willkommen in einem Leben „ on Mission“ !

Mission Coaching

 


 

„Wo befinde ich mich gerade und was kann ich tun?“

Hier eine kleine Übung für Sie: Nehmen Sie sich ein Blatt Papier.Überschrift: Mein Lebensunterhalt. Dann unterteilen Sie dieses Blatt .

Über die linke Seite schreiben Sie: „ Um zu“. Über die rechte Seite schreiben Sie „Mehr-Wert-Energie“. Dann listen Sie in der linken Spalte alle „ um zu“-Motivationen auf für das, was Sie tagtäglich tun für Ihren Lebensunterhalt ( Das funktioiert auch, wenn Sie Unterstützungsleistungen in Anspruch nehmen!)  Um die Miete sicherzustellen, zum Beispiel. Oder: Um keinen Ärger zu haben.

Rechts schreiben Sie alle Aspekte Ihres Lebensunterhalts auf, die Ihnen Freude bringen, einen Zuwachs von Energie oder Lebendigkeit zur Folge haebn oder einem tiefen Wert von Ihnen entsprechen- zum Beispiel: Dadurch habe ich täglich das Gefühl, zu einer gerechteren Welt beizutragen…. Wenn ich mit ihnen spiele, fühle ich mich selber total lebendig….. Ich finde den täglichen fachlichen Austausch so inspirierend…..

Hier finden sie ein pdf als Beispiel: UM Zu-Mehrwert-Liste In jeder Spalte schreiben Sie 5 Minuten ohne Unterbrechung, Wiederholung ist erlaubt, Stopp nicht!

Wenn Sie fertig sind: Vergleichen Sie die Listen. Welche hat mehr Umfang? Dann fragen Sie sich: Auf einer Skala von 1-100: Wieviel Prozent Gewicht hat die linke Seite in meinem Leben? Wieviel Prozent die rechte? (Muss insgesamt nicht Hundert ergeben, nehmen Sie die erste Zahl, die Ihnen in den Sinn kommt beim Betrachten der jeweiligen Spalte.)

Je mehr sie auf der linken Seite stehen haben, umso grösser ist die Gefahr des Ausbrennens.

Verstärken Sie alle spezifischen Aspekte und Aktivitäten auf der rechten Seite. Egal wie hoch die Prozentzahl ist. Denn das hält Sie lebendig!

Mit meinen besten Wünschen für Ihre Lebendigkeit!

Herzlich-  Lauretta Hickman

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6 Responses to “Fünf unbequeme Wahrheiten über Burnout

  • Anita Wössner
    6 Jahren ago

    So treffend! Auf den Punkt. Danke!

  • Gisela Born
    6 Jahren ago

    Ja, kann ich auch alles so unterschreiben, ist mir alles bekannt – und trotzdem leide ich an burn-out. Ich habe meine Eltern aus dem Pflegeheim geholt und die Pflege übernommen. ICH habe es nicht mehr ausgehalten zu sehen, wie schlecht sie für verdammt viel Geld versorgt werden. Ich hatte nie Kinder, nun habe ich welche, die völlig abhängig sind von mir. Beide Pflegestufe 3. Ich mache es gerne und doch ist irgendwann der Punkt erreicht, da kannst ich nicht mehr. Ich habe einen 12 bis 14 Stundentag. Dabei ist die physische Anstrengung nicht die schlimmste, vielmehr kommt der psychische Aspekt dazu, dass speziell die Mama meist sehr böse schaut und sie beide nicht verstehen, dass ich auch mal müde bin. Sie sind halt krank.

    Natürlich habe ich mir Unterstützung geholt, aber die psychische Belastung kann mir niemand abnehmen. Eines ist halt auch klar in dieser Situation, es wird keine Besserung geben, nur noch den Tod.

  • Den Beitrag finde ich sehr interessant, wenn ich auch bei einigen Punkten erst mal spontan widersprechen wollte. Ich habe jetzt einiges dazu gelesen und gehört, erlebe einfach, dass die Ursachen und Zusammenhänge bei jedem komplett unterschiedlich sind.
    Nach meiner Sicht ist es nicht nur der Aspekt der Arbeit (zu viel, zu hart, Konkurrenz etc.), sondern es kommen immer noch andere, persönliche Komponenten hinzu. Wie bei mir auch alte kranke (oder sterbende) Eltern, die Gewissenskonflikte, nicht genug tun zu können, da ich auch meinen Lebensunterhalt verdienen muss, der Schwester gegenüber, die sich “aufopfert” etc. etc.

    Interessant und unterstützend finde ich persönlich auch den Ansatz von Gunther Schmidt, der durchaus die These vertritt, dass nur der mal einen Burn-Out bekommt, der mal für etwas gebrannt hat. Der engagiert ist, hohe Ideale hat etc.
    Jemand, der seinen Job nur runterreißt, und schaff ich es nicht heute, dann eben morgen, der verbrennt nicht.

    Für ihn ist auch die “Wertschätzung” wichtig, sich nicht noch zusätzlich als Versager runterputzen (das hilft nicht wirklich, wenn man sich eh besch… fühlt), sondern sehen: welche Werte stehen dahinter, dass ich mich – über meine persönliche Grenzen hinaus- engagiere.

    Aber ich sehe auch vieles von dem was Sie schreiben- es ist wohl immer ein Mix und eben individuell verschieden. Daher auch die Therapieansätze ebenso.

    Sie haben einiges angesprochen, was ich weiter durchdenken möchte und auch diese Liste bearbeiten.

    Meine aktuelle Not-Strategie ist: möglichst viel und lange Urlaub machen, wo ich auch mit räumlichem Abstand (und raus aus dem Regen) meine Siutation beleuchte und Schritt für Schritt neue Arbeits- und Lebensstrategien entwickle und vor allem: auch umsetze 🙂 .

    Das ist nicht einfach und professionelle Hilfe ist da schon auch gut.

  • Hallo Lauretta,
    bereits seit einiger Zeit beschäftige ich mich auch mit dem Thema Burnout. Dennoch enthielt dieser Beitrag einige wichtige und wesentliche Aspekte, die ich so noch nicht gesehen hatte. Daher vielen Dank dafür.

    Zum dritten Punkt gibt es aus meiner Sicht noch eine Ergänzung: Burnout ist nicht nur ein individuelles Problem (Einschränkung der Lebensqualität und/oder -erwartung sowie Verlust der individuellen Natur, wie im Beitrag beschrieben) oder kulturelles Problem (verschobenes gesellschaftliches Verständnis), sondern auch noch ein volkswirtschaftliches. Man denke nur an die hohen Kosten die den Unternehmen und den Sozialkassen durch die teilweise sehr langen Ausfallzeiten entstehen. Oder die Kosten, die den Krankenversicherungen durch die unterschiedlichen Therapieversuche (was auch immer man von diesen halten mag) entstehen.

    In diesem Sinne kann ich nur unterstützen: Vorbeugen ist besser als Heilen.
    Dabei gibt es viele Begleiter, Lotsen, Freunde oder Menschen, die mit ganz unterschiedlichen Methoden unterstützen können, wenn man selbst “den Wald vor lauter Bäumen” nicht mehr sieht.
    Ich kann nur sagen: Nutzen Sie diese Möglichkeiten, am besten aus eigener Initiative anstatt zu warten, bis sie Ihnen jemand “anträgt”. Denn der Vorsprung, den Sie dadurch haben, ist Ihr Gewinn an Lebensqualität und Lebendigkeit.

    Herzliche Grüsse
    Christina

  • Liebe Lauretta,

    du bringst es einfach auf den Punkt.
    Ich „like“ und gebe den Link gern weiter.

    Herzliche Grüße, Thomas

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