Die 5 grössten Fehler nach einem Burn-out …….

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…..und wie Sie sie vermeiden können

„Die Masse irrt immer. Sie irrt sich, weil sie sich normal verhält.
Fred Kelly, amerikanischer Autor

Burnout, Veränderungsmanagement

Wenn Funktionieren für Zugehörigkeit verbrennt…

 

Machen wir uns nichts vor: Burn-Out ist eine gesellschaftlich anerkannte Krankheit, weil sie auf gesellschaftlicher Anerkennung beruht. Burn-Out, Depression und Angststörungen haben sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt und die Krankheitsausfälle wegen dieser „Krankheiten“ sind inzwischen enorm in den Unternehmen. Mir stellt sich immer wieder die Frage, ob der Umstand, dass jemand in einem dysfunktionalen System gesund ist, ein Hinweis ist auf Gesundheit oder Krankheit.         

Andersherum ausgedrückt: Wenn jemand an einem dysfunktionalen System krank wird- ob das nicht ein Zeichen für (individuelle) Gesundheit ist?

Wie an anderer Stelle schon einmal angemerkt: In meinem Verständnis ist Burnout ein Zeichen dafür, dass ein Mensch 1. sehr lange (!) fremdbestimmt war, 2. mit einer weit auseinander klaffenden Kluft zwischen Sein, also dem, was er oder sie wirklich ist, und dem, was er oder sie tagtäglich tut, unterwegs gewesen ist und 3. sich ganz sicher für falsche Werte verbrannt hat.
Werte, die unserer Schneller- Höher-Weiter, Sei besser, Habe mehr und Konsumiere–Kultur dienen. Und tendenziell eher nicht der individuellen, kreativen, visionären Erfüllung und Entfaltung.
Daran ist zunächst niemand schuld oder deswegen böse, allerdings leben wir in einer Art kollektiven Trance, in der wir tagtäglich ungesunde Dinge tun. Weil es normal ist. Und nur weil es normal ist, heißt es noch nicht, dass es gesund ist.

Über Burn-Out ist viel geschrieben worden.

Ich möchte mich hier einmal mit der Phase nach dem Burn-Out befassen. Was kommt danach?
Aus meiner Coaching- Praxis kann ich Auskunft darüber geben, dass es fünf klassische Fehler nach einem diagnostizierten Burn-Out gibt.

Hier kommen sie – zusammen mit ein paar Tipps und Hinweisen, wie Sie sie vermeiden können:

Fehler #1: Zurück ins Rennen!

Wenn Sie nach einem diagnostizierten Burn-Out und einer hoffentlich ausreichenden Auszeit  glauben, Sie könnten genauso weitermachen wie bisher, haben Sie sich schwer getäuscht. Wenn Sie zurück in das gleiche Rennen gehen, ist genau der Teil immer noch aktiv, der Sie in Ihren Burnout getrieben hat: Ein Ehrgeiz, der auf Ihre eigenen Kosten geht und der mehr an äußerer Anerkennung interessiert ist, als an Erfüllung durch Ausdruck dessen, wer oder was Sie wirklich sind. Diesmal wird es vermutlich noch härter- denn Sie werden versuchen, das Zeichen von“ Schwäche“, Versagen oder Ähnliches, was erstaunlicherweise viele Menschen bei  Burn-Out empfinden, wettzumachen- indem Sie noch mehr leisten oder härter arbeiten.

Ein heftiger Rückfall wird die Folge sein und es wird schnell gehen. Wenn Sie Glück haben, werden Sie nicht ernsthafter erkranken.

Fehler #2: Nie wieder Rennen – ich steige aus!

Teilweise ist dies zwar eine gesunde Reaktion, aber wenn sie übertrieben wird oder jemand
hier zu lange feststeckt, kann es auf längere Sicht gesehen zu Frustration, SelbstWert-
Problematiken und einer gewissen Bitterkeit führen.
Warum ist das so?
Wenn: „Zurück ins Rennen“ gleichbedeutend ist mit: Zurück in die Anpassung, so ist
dauerhafter Ausstieg ein Ausdruck von Rebellion oder Verweigerung.
Das bedeutet, dass Sie an dieser Stelle einfach nur das Gegenteil von dem tun, was zu Ihrem ursprünglichen Problem, dem Burnout, geführt hat.

Anpassung und Rebellion- oder Verweigerung- sind zwei verschiedene Reaktionsweisen auf ein- und dieselbe Sache. Das Gegenteil, ganz grundsätzlich, bietet nie die Lösung, auch wenn es als Aufenthaltsort unterwegs durchaus interessant und lohnenswert sein kann, erforscht zu  werden. Gewissermaßen als alternative Realität. Die wirkliche Lösung liegt immer jenseits davon. Wenn Sie also glauben, dauerhafter Ausstieg, sei es durch Alg I, Hartz IV, die vielgerühmte Insel, Frührentner sein, Erbe aufbrauchen, was immer es hier für Möglichkeiten gibt, sei eine praktikable und heilsame Lösung für die erlittenen gesellschaftlichen „Brandwunden“, haben Sie sich getäuscht.

Mit dauerhaftem Ausstieg oder Verweigerung haben Sie, wenn Sie das zu lange betreiben, den Schlüssel für ein erfüllt | erfüllendes Leben weggeworfen.
Ein wahrhaft erfüllt/erfüllendes Leben oder, so wie ich es ausdrücke, ein Leben „on Mission“ basiert auf Ihrer Individualität, Ihren Kernwerte, Liebe und, das vor allem ist wichtig: Auf Service!

Wenn Sie in Rebellion oder Verweigerung stecken bleiben, haben Sie für sich noch nicht den Unterschied geklärt zwischen Aufopferung und Service.  Im Service sein, das heißt: Eine für anderer sinnvolle, Nutzen stiftende , Lösungen offerierende und inspirierende Existenz zu führen.

Ich kann Ihnen aus Erfahrung sagen- nichts anderes wird sie wirklich erfüllen!

 Fehler#3: Ich mach nur noch, was mir guttut und sich gut anfühlt.

Auch diese Haltung ist zu Beginn sicherlich extrem hilfreich, nützlich und ausgesprochen
förderlich für die eigene Gesundheit. Zu lernen, sich zu schonen, kann für einen oder eine
BurnOut- Kandidaten oder -Kandidatin absolut lebensrettend sein. Wenn diese Schon-Haltung allerdings, weil sie für eine bestimmte Zeit funktioniert hat, nun zur dauerhaften Attitüde wird, führt sie zu einem äußerst beschränkten Leben.

Leben ist Wachstum. Wachstum findet in Chaos-, Ordnung-, Chaos-, Ordnung – Schritten statt. Oder auch: Stabilität, Instabilität, Stabilität, Instabilität.

Wenn jemand nur tut, womit er oder sie sich wohl fühlt, es sich gut anfühlt oder jemand zuerst schauen muss, „was es mit ihm oder ihr macht“ gibt es bald kein Wachstum mehr, weil mit dieser Haltung die chaotischen und daher zeitweilig unkomfortablen Phasen vermieden und ausgebremst werden. Wenn“ ich muss mich schonen“ zum neuen Credo wird, attestiert ein Mensch sich selbst dauerhaft eine Art von Invalidität. Das ist psychische Selbstverletzung.
Auch wenn sie der vorauseilenden Vorbeugung gegen den ursprünglichen (Selbst -) Missbrauch dient.

Wenn Eichen sich so verhalten würden, wie Menschen, würden sie nur 3 Meter groß.  T. Harv Eker

Leben will wachsen. Menschen wollen wachsen. In dem Maße, wie ich für mein – integriertes – Wachstum Unkomfortabilitäten in Kauf nehme, begrüsse und umarme, werde ich mich weiter entfalten. Alles andere ist ein langsamer Tod.

Fehler #4: Ich bekomme jetzt andere dazu, sich für mich zu verbrennen. Ich „lasse“ brennen.

Ganz ehrlich: Glauben Sie, nachdem was Sie erlitten haben, dass es Sie auf Dauer wirklich
befriedigen kann, der Einäugige unter Blinden zu sein und bei anderen Menschen das zu
verursachen, was Ihnen Qual beschert hat?
Wir leben in einer Zeit, in der „nach mir die Sintflut“ nicht mehr funktionieren kann. Es gibt keinen Ort, an den wir etwas wegwerfen können. Dieser Planeten ist rund. Und unser aller Planet. Dieses Bewusstsein greift mehr und mehr um sich. Was wir einem Menschen antun, (das gilt auch für uns selbst), tun wir allen Menschen an. Alles, wofür wir keine Lösung finden, bleibt ungelöst in der Welt. Wenn ich ein System bediene, das schädlich ist, bin ich schädlich.  Egal ob für mich, oder für andere Menschen.
Sinn und Zweck eines Burn-Out ist unter anderem, ein aufrüttelnder und sehr gesunder
Weckruf zu sein für einen besseren Weg in eine bessere Welt. Für Alle.

Wo immer Sie sich befinden: Sie befinden sich am absolut perfekten Platz, um damit zu
beginnen.

Wie könnte eine Welt aussehen, in der alle gewinnen und in der für Sie und Ihren
Gewinn nicht Andere verlieren müssen? Denn damit wären Sie nur auf der anderen Seite des gleichen Spiels gelandet, das wenige Gewinner und viele Verlierer vorsieht. Dieses Spiel können wir uns in Deutschland, in Europa und weltweit nicht mehr leisten. Und das beginnt mit jedem Individuum, das bereit ist, in Millimeter-Schritten einen anderen Weg zu gehen, oder wie ich es gerne nenne- links herum zu drehen in einer rechtsdrehenden Kultur.

Fehler #5: Ich mache mit, aber halbe Kraft

Dies nenne ich den“ lauen“ Weg. Ein Mensch geht nirgendwo mehr Verbindlichkeit ein,
achtet zwar soweit auf sich selbst, dass er oder sie sich beruflich und auch sonst nirgendwo
bewegt, wo er /sie wieder bis weit über die eigenen Grenzen hinaus und das zu lange gefordert werden kann. Übt sich dabei allerdings in der Haltung: Solange meine Bedürfnisse erfüllt sind, bin ich friedlich. Ein mitspielendes Rädchen. Versucht, nichts mehr zu bewegen. Ein 50%- Leben. Der „Social Conformist“. Der Sieg der Überschaubarkeit. Sie spielen dann zwar das Spiel“ Mich kriegt keiner mehr“. Aber auch das hat zwei Seiten. Denn aufgrund Ihrer passiven Aggression lädt Sie auch niemand zu den wirklich tollen Spielen ein. Sie haben für Gesundheit  und Wohlbefinden das Abenteuer in die Wüste geschickt. Ich kann Ihnen versichern- das wird Ihnen  auf Dauer nicht gefallen!

Hier kommen die Lösungen:

Es gibt ein Zauberwort hierfür: Wachstum in Balance.

Entscheidend ist zunächst mal dass die vier Bereiche mental, emotional, physisch, und
spirituell in einem einzelnen Leben ausreichend berücksichtigt sind. Und so, wie Max Reinhardt  es sagte: „Tempo ist der schnelle Wechsel zwischen schnell und langsam“, so können wir hier sagen, Balance ist der ausgewogene Wechsel in diesen vier Bereichen. Das individuelle Tempo, die Balance in der Balance, muss jeder Mensch für sich selbst herausfinden.

Außerdem finden Sie heraus, wie viele diese Dinge, die Sie täglich tun, auf einem „um zu“ beruhen und wie viele Dinge Sie tun, die Ihnen unmittelbar Energie geben.
Und ich meine damit nicht die Energie, die auf dem Adrenalin durch Machtkampf, Sieg, Triumph und Durchsetzung basiert.

Es kann auch sein, dass Sie Ausgewogenheit brauchen zwischen „still in der Natur sitzen mit geschlossenen Augen“, sagen wir, für 15 Minuten, und „40 Minuten durch Natur sprinten“ Es kann sein dass Sie beides brauchen.

Gewöhnen Sie sich für 28 Tage an, abends Notizen zu machen zu Aktivitäten mit
Zeitangaben: Wieviel Zeit sie „ausgegeben“ haben für welchen Bereich. Und wie Ihr
Energielevel währenddessen und danach war.

Gehen sie fünf Tage auf einen ganz persönlichen Vision Quest in die Natur und bitten Sie darum, dass Ihnen Ihre ganz persönliche Vision gezeigt werden möge, die in der Tiefe Ihrer Seele wohnt. Ihr Traum von einer besseren Welt. Fragen Sie sich, wie die Welt aussähe, wenn Sie die Möglichkeit hätten, hier mit Ihrem höchsten Potenzial und allen Mitteln ausgestattet hindurch zu marschieren.

Legen Sie sich eine Liste an, was sie, egal wie klein es sein mag, innerhalb des nächsten Jahres, der nächsten sechs Monate, der nächsten drei Monate, des nächsten Monats, den nächsten zwei Wochen, der nächsten Woche und jeden Tag in den nächsten zwei Wochen machen können.

Schreiben Sie abends eine Liste, wen Sie heute wie/womit inspiriert haben.
Schreiben Sie sich eine Liste, auf der steht: 10 Wege, wie ich Liebe ausdrücke.

Und dann: Tun Sie das.

Es kann sein, dass die Beschäftigung mit diesen Inhalten dazu führt, dass Sie Ihren
Lebensentwurf überdenken, die Art, wie Sie Ihr Einkommen generieren, sich kleiden, wo und mit wem Sie leben. Das ist etwas Gutes! Folgen Sie dieser Fährte, bleiben Sie handlungsfähig, im Vollkontakt mit der Wirklichkeit, mitten im Leben, mitten in Ihrer Gesellschaft.

Ja, das braucht Mut. Ja, das kann auch bedeuten, sich dem einen oder anderen Schmerz möglicherweise erneut zu stellen.  Aber, wissen Sie: Menschen wollen ihr Bestes geben. Ganz von selbst. Nur nicht das, was andere für das Beste halten. Konkurrenz ist doch letztlich immer nur mit uns selbst möglich.

Um was will Mensch mit einem anderen Menschen konkurrieren, wenn doch jeder Lebensweg höchst individuell ist?

Nur wer auf seinem eigenen Weg geht kann von niemandem überholt werden.        Marlon Brando

Das beste Antidot zu einem Burn-Out ist, dass ein Mensch das Richtige aus dem richtigen
Grund tut.
Vertrauen Sie sich. Ihre Seele kennt die Antwort!

Kommentare sind herzlich willkommen. Teilen Sie Ihre Sichtweise mit, ich freue mich darauf!

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7 Responses to “Die 5 grössten Fehler nach einem Burn-out …….

  • Aufschlussreiche Ausfuehrungen! Ich werde mich damit in Zukunft mehr auseinandersetzen! Warte auf die naechsten Posts!

  • Hallo Lauretta,
    ein toller und wirklich beruhigender Artikel. Ich selbst habe ähnliche Erfahrungen gemacht und deine Fehler geben einem die Klarheit, wie man sich am besten verhalten sollte. Ich werde den Freiraum nutzen, um für mich Klarheit zu finden und Möglichkeiten zu explorieren. Und dabei werde ich auf mein Gefühl achten.

    Danke für den tollen Artikel!

  • Bernadette
    2 Jahren ago

    Herzlichsten Dank für diese wundervollen Zeilen. Klar, auf den Punkt gebracht, intelligent, sehr feinfühlig. Beruhigend!

  • Wie wahr. Unsere Seele kennt die Antwort. Wir müssen nur selbst aktiv werden und uns damit – was wir wirklich sind bzw sein möchten – auseinandersetzen. Lange habe ich versucht, Hilfe von außen zu bekommen. Bis ich zur Einsicht gelang, dass nur ich selbst mir helfen kann.

  • Ganz herzlichen Dank

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